Dürfen wir uns noch afrikanische Masken im Leipziger Grassimuseum anschauen?
Über 200.000 Objekte lagern hier, insbesondere zusammengetragen seit der deutschen Kolonialzeit ab 1884. Seit 1899 vervielfachte sich der Bestand unter dem späteren Direktor Karl Weule. Wo vor einigen Jahren noch, nach Kontinenten getrennt, Wohnen und Leben der Urvölker und Stämme gezeigt wurden, wird jetzt kritisch mit den Objekten umgegangen. Unsere freiberufliche Führerin berichtet, dass viele Gegenstände wohl nicht freiwillig herausgegeben worden sind und einen Hintergrund von Gewalt hätten. So stammte eine besonders beeindruckende Tanzmaske vom Anführer eines Stammes, der innerhalb von Kampfhandlungen diesen für ihn bedeutungsvollen Kunst- und Ritualgegenstand hergeben musste. Die Objekte haben Nummern und ihre Geschichte kann in einer Onlinesuche erforscht werden.
Wir stehen in einem Raum hoher Vitrinen gefüllt mit Masken und anderen Objekten. Konnte durch die dünnen Schlitze in den Masken überhaupt jemand durchschauen? Wurden sie tatsächlich als Verkleidung benutzt? Und wie ging das? Diese Fragen stellten sich uns beim Betrachten.
Fehlen diese Kunstobjekte jetzt den Menschen in ihrer Kultur vor Ort? Was hätten sie zu ihnen zu berichten?
Objekte zur Kulturbegegnung – Menschen befragen und begegnen sich und erweitern ihr Verständnis füreinander - vielleicht eine Vision für das Museum, das sich und seine Existenzberechtigung sucht?
Im Rahmen unseres Kunstjahresprojektes „Ausdruck – in Auseinandersetzung mit dem Künstler Emil Nolde“ war die Realschulklasse 10 der Carpe Diem Schule – Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung in Halle (Saale) genauso wie Emil Nolde auf der Suche nach Ursprünglichkeit und Ausdruckskraft der Urvölker ins Völkerkundemuseum gegangen. Und zum Zeichnen. Schließlich mussten sie sich damit beschäftigen, ob die Objekte eine Bleibeberechtigung haben. Dennoch bleibt der Eindruck, den die Masken und anderen Kunstobjekte hinterlassen haben, stark!
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